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Brauchtum

Dieser Beitrag will Einblicke in das einstige Leben in den Dörfern der Banater Deutschen bieten, in ihrem Rhythmus zwischen Arbeit, Fest und Feier.

Der größte Brauchtumskreis hatte seine Heimstatt im Kirchenjahr, und so waren die hohen Festtage Weihnachten, Dreikönig, Ostern und Pfingsten bis zuletzt von lebendigem Brauchtum umgeben. Den Auftakt bildete die Adventszeit. Bei ihrem Beginn war das Arbeitsleben bereits geruhsamer geworden, das Erzählgut wurde weitergegeben und auch vorweihnachtliches Liedgut.

Schlachtfest

Die Schlachtfeste lagen auch in der kalten Jahreszeit, etwa von Anfang November bis Ende Februar. Die Vorbereitungen begannen schon am Vortag des Schlachtfestes. Die Schlachtmesser wurden zum „Wahner“ zum Schleifen gebracht. Die „Schlachtmolder“ (hölzerner Trog) mit den dazugehörigen Ketten zum Wenden der Schweine in kochendem Wasser, “Rechen“ zum Aufhängen der Schweinehälften wurden herbeigebracht. In aller Herrgottsfrüh wurde der mit Wasser gefüllte Kessel angeheizt. Bei Tagesanbruch wurde das erste Schwein „gestochen“. In der Schlachtmolder wurden die Haare abgebrüht, auf dem Schlachttisch mit Blechlöffeln und Messer die restlichen Kleinhaare geputzt. An den hinteren Beinen wurde das geschlachtete Schwein an den Rechen gehängt. Die Frauen reinigten die Gedärme mit Knoblauchwasser. Die Leber, das Herz, die Nieren und die knochigen Teile kamen in den Kessel. Anschließend schnitt man das Schlachttier in Stücke. Dann begann das Wurstmachen und Schmalzauslassen. Zur Stärkung der Schlachter und Helfer diente ein hauseigener Schnaps (Raki), dann gegen zehn Uhr eine köstliche Mahlzeit „Blut und Lewer“ genannt. Um die Mittagszeit gab es „Koppfleisch“, das gesalzen mit frischem Brot gegessen wurde. Es wurde „Schwartelmagen“, Blut- und Leberwurst gemacht. Der Nachmittag verlief dann mit dem weiteren Transchieren und als letzte Arbeit kam die Herstellung der Bratwurst. Die Schinken und Speckseiten wurden für sechs Wochen „eingesalzen“ (gepöckelt) und zusammen mit der Wurst geräuchert. Aus den Ohren, dem Schwanz und den Haxen machte man „Sulz“. Das ausgelassene Fett kam in die „Fettstitz“. Am schönsten ging es beim Schweineschlachten zu, wenn die Arbeiten sich bis in die Dunkelheit hinzogen. Da das Abendessen erst nach getaner Arbeit erfolgte, hatten die Kinder genügend Zeit ihr „Dreilichtche“ herzustellen. „s Dreilichtche“ hielten die Kinder dicht an das Fenster, hinter welchem sich die ganze Gesellschaft beim Abendessen befand und sangen:


Tier hätt, tier hätt, tier hätt geschlacht,

Tier hätt so dicke Werscht gemach!

Eier Sau hat so dicke Niere,

Loßt uns net do jaus verfriere!

Kripplche, Krapplche um es Haus,

Schickt uns e Schißl mit Krapplcher raus!

Nikolaus

Dem Nikolausabend sahen viele Kinder mit gemischten Gefühlen entgegen. Den guten Nikolaus begrüßte man freudig, da er Geschenke brachte, sein Begleiter aber war etwas, vor dem man sich fürchten konnte. Der stets mürrische „Krampus“ trug Kette, Haken und einen großen Sack mit Äpfel, Nüssen und ähnliche Dinge auf der Schulter. Aber er hatte auch eine Rute in der Hand. Die kleinen fürchteten den Krampus, der sie für alle Untaten und Nachlässigkeiten zur Verantwortung zog und mit der Rute bedrohte. Während der ganzen Zeremonie sagten die kleinen Verse und Gebete und ernteten dafür Lob.

Weihnachten


Weihnachten war ein Fest der Familie. Von der Mutter wurde der Christbaum mit „Saloonzucker“, Nüssen, Äpfel und mit Lametta behängt während an den Ästen Kerzen und „Spritzkerzen“ angebracht wurden. Die Kleinen, ihnen galten ja diese Vorbereitungen, weilten inzwischen bei den Großeltern oder bei Verwandten. Abends kündigte ein Glöcklein die Ankunft des „Christkindls“ an, die Stubentür wurde geöffnet und die Kinder hereingeführt. Neben dem im hellen Kerzenlicht strahlenden Baum standen das Chriskind in schneeweißem Gewand und die Kinder voll Staunen und Bewunderung daneben. Darauf sang man gemeinsam Weihnachtslieder: Stille Nacht, Oh du fröhliche, Oh Tannebaum usw. Nun konnten die Kinder endlich zu ihren Geschenken greifen. Am ersten und zweiten Weihnachtstag gingen alle zum Festgottesdienst. An Weihnachten (oder Neujahr) und an Ostern freuten sich die Kinder auch auf „Goodesach“, die entweder von „Phatt“ und „Good“ gebracht wurden oder selbst abgeholt werden mussten.

 

Silvester


An Silvesterabend war in der Kirche Danksagung. Danach wurde bei Musik und Tanz bis in die Morgenstunden des neuen Jahres gefeiert. Um Mitternacht setzte die Musik aus, es begann ein allgemeines Glückwünschen, anschließend verabschiedete die Kapelle mit einem Marsch das alte Jahr.


An Neujahr war es selbstverständliche Pflicht der Kinder und Enkel, zu den Eltern, Großeltern und Verwandten zu gehen und ein „Gutes Neujahr“ zu wünschen. Bei den Kinder lautete die Wunschformel im allgemeinen folgendermaßen:

Ich winsch, ich winsch, ich wes net was,

greift in de Sack un get mer was!

Loßt mich net so lang doo stehn,

ich muß um a Heisl weitergehn!

oder

Ich winsch, ich winsch,ich wes schon was,

greift in de Sack un get mer was!

Ich sin net vun doo un sin net vun dort,

ohne Kroon geh ich net fort!

Der Glückwunsch der Erwachsenen:“ Vill Glick im neije Johr, a langes Lewe, die Gsundheit, Fried un Eenichkeit un noom Tood die eewichi Glickselichkeit!“

Dreikönig


An Dreikönig kann als alter Volksbrauch das „Keenichmache“ angeführt werden. An diesem Tag wurden Krapfen gebacken. In drei der Krapfen wurden Geldmünzen in drei Größenordnungen versteckt. Als Abschluss des Mittagessens brachte die Mutter das Gebäck auf den Tisch. Sie verstand es immer, die Schüssel so hinzustellen, dass die Kleinen „Könige“ wurden. Der Pfarrer ging mit seinen Ministranten nach Dreikönig die Häuser weihen. In jeder Wohnung wurde auf einem Tisch ein Kreuz aufgestellt, rechts und links eine brennende Kerze. Der Pfarrer betrat die Wohnung mit einem Segensspruch, dann wurde gemeinsam mit den Hausleuten gebetet. Pfarre und Ministranten bekamen eine Geldspende.

Ostern


Der Ostersonntag war ein langersehnter Freudentag für die Kinder, die schon am Karsamstag Nester aus frischem Gras vorbereitet hatten, damit der „Osterhass“ seine „Aajer“ hineinlegen kann. Am Sonntagmorgen fanden die Kleinen in den Nester gefärbte Eier, Naschwerk, Hasen aus „Letzelder“ und vieles mehr.


Am Ostermontag nach der Messe war „Mädelspritzen“. Die Buben besuchten ihre Mädchen und besprengten sie mit parfümiertem Wasser. Dafür servierten diese ihnen Kuchen und Wein. Manchmal kam es auch vor, dass übermütige Burschen in der nähe eines Brunnens ein ahnungsloses Mädchen mit einem Eimer Wasser an das „Osterspritzen“ erinnerten. Auch Erwachsene beteiligten sich an diesem Brauch. Am Nachmittag und Abend dieses Tages begann wieder die Tanzsaison.


Die Ratschbuben, „Ratscher“ genannt, spielten in der Karwoche eine wichtige Rolle. Ihnen oblag es, zwischen dem Gloria des Gründonnerstags und dem der Karsamstagsmesse das verstummte Glockengeläut zu ersetzen. Die Dorfbewohner morgens, mittags und abends zum Avegebet aufzurufen und auf die Andachten und Gottesdienste aufmerksam zu machen. Ausgerüstet waren die Ministranten mit einer Holzratsche. Am Karsamstag nach dem letzten Ratschen, machten sich die Ministranten in Gruppen zum „Einsammeln“ auf. Ausgerüstet mit einem Strohkorb und einer Sammelbüchse, eilten sie von Haus zu Haus, um für ihre Mühe den Lohn einzuheimsen. Traten sie in den Hof, allen voran der „Fuchs“ riefen sie in singendem Ton:

Summer, Summer maja,

die Hingle leje die Aier!

Stabaus, Stabaus de Hingle gehn die Hoor aus!

Die Veilcher un die Blumme,

de Summer werd bal kumme!

Ihr Leit, ihr Leit, ihr liewe Leit,

es kummt die heiliche Osterzeit!

Gibt uns Aier, gibt uns Geld,

gibt uns nur was eich gefällt!

Nur ka Schlää, die tun ja weh!

Die Eier sind gebacken,

wir habn sie hören krachen,

um Eier tun wir singen,

die Jungfrau soll sie bringen!

Glick ins Haus, Unglick naus!

Geld oder e Dutzend Aier

Meldete sich niemand oder knauserte, machte sich der “Fuchs“, dessen Mütze mit Hühnerfedern geschmückt war, auf, und holte sich die Eier aus den Nestern der Hühner. Nachdem alle Häuser abgesammelt waren, trafen sich die Gruppen in der Schule, wo das Sammelergebnis gleichmäßig aufgeteilt wurde. Der Anführer jener Gruppe, die zuletzt in der Schule eintraf, war der “Jud“ und wurde mit Spott und Hohn begrüßt

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Mayen


Ging es im Winter gegen den Abend zu, kam rechtes Leben in das Dorf, denn nach dem Nachtessen ging man „Mayen“. Zu einer „Reih“ kamen mit dem Einverständnis der Eltern auch Burschen, die die Aufgabe hatten, Schabernack zu treiben oder auch mal vernünftig zu sein. Bei diesen Zusammenkünften sangen die jungen Leute Volkslieder so wurde das Volksgut gepflegt, es wurden Gesellschaftsspiele gespielt und gescherzt. Die Männer spielten verschiedene Kartenspiele. Die Frauen oder Mädchen waren gewöhnlich mit Handarbeiten beschäftigt. Es wurde zwischen Abend- und Sonntagsreihe unterschieden. Letztere fanden nur in der tanzlosen Zeit statt, dabei ging man nachmittags und abends zu den gleichen Mädchen.

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1.Mai

Gefährlich war die Nacht zum 1. Mai. So war es Brauch, dass man am Abend des 30. Aprils an alle Fenster und Türen, an das Hoftor und an alle Stalltüren frische Holunderzweige steckte. Verschmähte Liebhaber aber streuten der Auserwählten, die sie abgewiesen hatte, Weizenspreu vor das Haus und Trieben anderen Schabernack, um sich zu rächen.